Am 8. Juli 2025 war die Zeitzeugin Martina Schoeneich zu Gast an der Beruflichen Oberschule Fürstenfeldbruck. Im Rahmen des Geschichtsunterrichts berichtete sie Schülerinnen und Schülern aus vier elften Klassen von ihrem Leben in der DDR und ihrem langjährigen Kampf um die Ausreise in die Bundesrepublik. Ihr eindrücklicher Vortrag wurde von den Jugendlichen mit großem Interesse verfolgt.
Zunächst schilderte Frau Schoeneich anschaulich die Lebensrealität in der DDR: beengte Wohnverhältnisse ohne eigenes Bad oder Telefon, staatliche Kontrolle im Alltag und eine Mangelwirtschaft, in der begehrte Waren oft nur über informelle Netzwerke erhältlich waren. Auch die ideologische Prägung der Kinder war fester Bestandteil des DDR-Systems: Schon in der Schule sangen sie sowjetische Lieder und bastelten Panzer aus Pappe – Teil einer früh einsetzenden staatlichen Einflussnahme.
Unter Berufung auf die Schlussakte von Helsinki stellten Frau Schoeneich und ihr Mann 1979 einen Ausreiseantrag – ein mutiger Schritt, der drastische Folgen hatte. Es folgten Verhöre und Überwachung durch die Stasi. Beide Eheleute verloren ihre Arbeitsplätze, ihr Haus mussten sie unter Wert an die Gemeinde verkaufen und fortan als Mieter darin wohnen. Erst 1981 durften sie die DDR schließlich verlassen.
Jahre später erfuhr Martina Schoeneich durch die Einsicht in ihre Stasi-Akten, in welchem Ausmaß ihre Familie einst überwacht worden war: Die Akten belegen eine lückenlose Überwachung rund um die Uhr – selbst alltäglichste Dinge wie Einkäufe wurden akribisch protokolliert. Sogar in der Sauna war ein Stasi-Mitarbeiter ihrem Mann zugeteilt worden. Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern warnte Frau Schoeneich deutlich vor einer Verklärung der DDR und betonte die Bedeutung demokratischer Werte. Ihr Besuch hinterließ bei allen Beteiligten einen nachhaltigen Eindruck und bot einen lebendigen Zugang zur deutschen Zeitgeschichte.
